Der letzte Baum ist gepflanzt - Bilanz zum Seewinkel 2010

Die Umbauten im Seewinkel sind wohl abgeschlossen, denn nun sind auch die Außenanlagen gestaltet. Der Parkplatz wurde befestigt, Fahrradständer aufgestellt, Zäune zum Parkplatz und den Bootsliegeplätzen sind aufgestellt. Auf dem Parkplatz sind alle Bäume und Sträucher verschwunden, anstatt dessen sind nun neue Hecken und Efeu gepflanzt.

Die „Freunde des Seewinkels“ nehmen dies zum Anlass um Bilanz zu ziehen. 

Wie war er denn der „alte Seewinkel“?

An gleicher Stelle und doch etwas abgelegen, eingewachsen nämlich, der Parkplatz, unter Bäumen, nicht wirklich geordnet, aber auf der Fläche genauso viele Autos und das Kioskgebäude entsprach ganz sicher keinen EU-DIN-Normen. Das Publikum war vielfältig, Herrschinger und Touristen, durch alle Altersgruppen und Schichten fühlte man sich wohl, er war gut besucht und beliebt.

Seewinkel einst 1-----Seewinkel einst 2

Wer es geordnet, konventionell, klar strukturiert und gut einsehbar mag, für den war es sicher erst mal ungewöhnlich. Aber das war es ja genau, was das Flair des Platzes ausmachte. Zugegeben, der „Küchenbereich“ und das Toilettengebäude waren keine Dauerlösung, so sollte es nicht bleiben.

Gegen den Widerstand der meisten Seewinkelbesucher sollte aber eine „große Lösung“ her, der Gemeinderat wollte das Projekt Seewinkel 100%ig durchziehen. Wobei man aber nicht müde wurde, zu betonen und zu versichern, dass das alte Flair natürlich auf alle Fälle erhalten werde.

Zumindest was die Kosten betrifft, wurde ein Maximum erreicht, was aber sonst noch: Von der Straße beginnend ein 100%iger Kahlschlag! Auf dem Parkplatz steht kein einziger Baum mehr. Selbst die Großen an der Straße mussten weichen.

Wir haben jetzt ein kahles, eingefasstes Viereck mit neuen Laternen. Das Strandbad-Gelände wird dominiert von zwei überdimensionalen, holzverkleideten, containerähnlichen Gebäuden. Schön neu, schön sauber, schön gepflegt.

Parkplatz Seewinkel jetzt-----Seewinkel jetzt 1

Rechts das Toilettenhaus, immerhin eine Damen- und eine Behindertentoilette mehr als vorher. Sogar Umkleiden, nach Männlein und Weiblein getrennt, gibt es, so richtig mit allem Drum und Dran, weil wenn schon, dann richtig, genauso die Duschen. Einfach nur Umkleidespiralen und Außenduschen, das wäre ja nichts 100%iges und wo wir schon dabei sind, dann bitte auch mit Heizung für den Winter, wer weiß...?
Und links ein klotziges schmuckloses Kioskgebäude. Eine offene Theke, die im „alten Seewinkel“ so geliebt wurde, gibt es nicht mehr. Heute haben wir Ausgabefenster und im geplanten Thekenbereich kleine Klappfenster. Die klappen nach innen hoch und deshalb kann dort auch keine Zapfanlage mehr stehen.

Seewinkel jetzt 2-----Seewinkel einst 3

Dafür hat der Kiosk aber eine richtige Hi-Tech-Küche, mit Kacheln und allem was dazu gehört. Sogar Neonröhren, die blenden zwar abends die Gäste draußen und tragen auch nicht wirklich zum „alten Flair“ bei, dafür kann jetzt auch keinem Prüfer mehr etwas entgehen.

Eine größere Liegewiese haben wir. Da stehen zwar jetzt Bäume und man kann keine große Leinwand mehr aufstellen, dafür hat man das Problem mit den Nachbarn aber auch gleich gelöst. Die waren sowieso gegen das Open-Air-Kino und sonstige Aktionen.

Kino Open-Air im Seewinkel------Diashow Michael Martin

Was haben wir denn jetzt eigentlich gewonnen?

Für eine knappe halbe Million Euro eine Küche nach DIN-Norm, eine Damentoilette, ein Behinderten-WC, Umkleiden und Duschen alles nach Standard, aber doch nur Durchschnitt.

Und was haben wir verloren:

Der Seewinkel mit dem alten Flair wurde unwiderruflich zerstört. Diesen Platz, so wie er jetzt ist, mit seinem „Urbanen modernistischen Chic“ können wir an jedem See finden - der Seewinkel ist jetzt leider nichts Besonderes mehr, er ist beliebig. Ein Stück Vielfalt ist uns verloren gegangen, aber das war wohl so gewünscht.

Dafür haben wir nun aber auch kein Geld mehr für andere, wirklich wichtige Projekte wie z.B. Feuerwehrhaus oder Bahnhof...

Und - fast hätten wir auf der „Positivliste“ folgendes vergessen: Endlich gibt es im Gemeinderat keine Diskussionen mehr über den Seewinkel.